Let’s Plays

Die Erste Begegnung

Die Szene der so genannten Let’s Player ist wohl im deutschsprachigen Raum eine dieser, welche sich im Laufe der Zeit am meisten verändert hat. Ich selbst denke gerne an das Jahr 2010 zurück, indem ich im Februar zum ersten mal einem kommentierten Spielevideo begegnete. Erstellt wurde es von Lugmillord und handelte von Super Mario Sunshine. Damals wie heute blieb sich dieser Kollege voll und ganz treu und filmte heute wie damals mit der Kamera ab. Seine Kommentation grenzt jedoch an die eines absoluten Meisters. Kennt sich mit dem Spiel aus, bringt lustige Sprüche und Zitate. Leute, die mit Programmen wie Fraps oder Camtasia abfilmen, sind somit geschlagen und der Beweis ist gegeben, dass es auf den Mann oder die Frau hinter dem Video ankommt. Dies ist wohl auch der Grund, weshalb ich mir regelmäßig Let’s Plays anschaue. Es ist keinesfalls nur das Spiel an sich, um welches es sich dreht, es ist das Kommentar. Walk- beziehungsweise Playthroughts empfinde ich persönlich ebenfalls für todlangweilig.

Der Anfang der Szene

Doch gehen wir etwas in der Geschichte zurück. Die ersten Let’s Player Deutschlands gab es schon in etwa ein Jahr zuvor. Damals schlossen Ali, Haze, Trax, Valdis sowie RoXas die erste Gemeinschaft der Let’s Player. Langsam vermehrte sich die Zahl und es kamen weitere hinzu, die sich bis heute an großer Bekanntheit erfreuen. Damals war wohl noch alles in Ordnung. Man hatte kein Fraps und musste sich durchaus etwas mehr Mühe geben, um den Bildschirm vernünftig abgefilmt zu bekommen. Hypercam sowie ein Spiel auf einem Emulator laufen lassen, den Sound über die Lautsprecher ausgeben und das ganze dann mit dem eigenen Headset aufnehmen, war damals eine verbreitete Methode.

Der Fortschritt der Szene

Die einst sehr kleine Szene hielt zusammen und half sich gegenseitig bei jeden auftretenden Problemen. Langsam kamen die Zuschauer. Viele stießen wohl durch Walkthroughs auf die LPs, fanden Gefallen an der Idee, die dahinter steckte, gaben der jeweiligen Person ein Abo und schauten diese zukünftig mehr oder minder regelmäßig. Die Let’s Player machten Werbung, teils auch in Ihren eigenen LPs, für die Kollegen und das Forum. Die Szene wuchs und wuchs. Aus meiner Sicht ist es für keine Szene gut, zu groß zu werden. Dieser ist es jedoch passiert. Mittlerweile gibt es mehr als 10 000 allein im deutschsprachigen Raum. Eine wirkliche Gemeinschaft ist nicht mehr existent. Eher haben sich zahlreiche Gruppen gebildet, die im besten Fall aus einem halben Dutzend Menschen bestehen. Eine große Gemeinschaft, wie sie wohl am Beginn erhofft wurde, ist nicht geschaffen. Etwas derartiges zu kreiren grenzt mit Sicherheit heuzutage sowieso an Unmöglichkeit. Zwar wird durch mehrere Aktionen immer wieder versucht, das Bündnis der „Szene“ zu bessern, doch wirklichen Erfolg merkt man wohl nicht.

Der Erfolg der Let’s Player

Was die einzelnen Spieler angeht entstand im Laufe der Zeit ebenfalls eine große Differenz zu damals. Während eine sehr lange Zeit einfach die Szenengründer als „Elite“ angesehen wurden kam tauchte eines Tages ein sogenannter Cekay auf, der mit seinem Assassins Creed 2 Let’s Play an die Spitze gelangte. Diesen Platz konnte dieser jedoch ebenfalls nicht halten. Aus dem nichts sozusagen erschien eines Tages der neue Spitzenreiter der Lper, Gronkh. Mit 300 000 Abonnenten zum Zeitpunkt, in dem dieser Text geschrieben wurde, ist er uneinholbar in der deutschen Szene. Der nächstgrößere kann nicht einmal 100 000 vorweisen. Youtube wie in etwa Coldmirror zählen für mich persönlich nicht als Lper, auch wenn sie durch etwas derartiges Erfolg vorweisen können. Allgemein finde ich LPs von Vloggern oder ählichen Youtubern im Gegensatz zu LPs von Leuten, die damit auf Youtube angefangen haben, eher minderwertig. Der andere Fall, erst LP, dann Auftreten vor der Kamera, hat sich jedoch bei Leuten wie Aligator, GLP oder Dekay gut durchsetzen können.

Gronkh

Doch warum gerade Gronkh? Wie hat er es geschafft, diesen Erfolg zu verbuchen, hat er diesen
überhaupt verdient?
Gronkh begann am 1. April 2010 auf Youtube mit dem Spielen von MMORPGs, kein Scherz. Die Videos von damals kann man wohl auch nicht mehr mit den heutigen vergleichen. Ähnlich wie bei Ali oder Emero merkt man einen deutlichen Unterschied in aktuellen Werken. Gronkh erstellte damals auch Videos, die man heute wohl nicht mehr von ihm erwarten würde oder könnte, sogenannte Abo-Specials. Als ich anfing Gronkh zu schauen hatte er sicher schon 50 000 dieser, doch wenn man zurückschaut, erstellte er damals für 200 ein Special. Es war eine abgeänderte Version des Liedes „Das Beste“ von Silbermond. Natürlich macht dieser Mann heute immer noch besondere Videos, jedoch mittlerweile nur Minecraft oder Sims bezogen, auf keinen Fall mehr Zuschauerbezogen.
Genau Minecraft ist meiner Meinung nach das Spiel, welches Gronkh bekannt gemacht hat. Als er es zu spielen begann war das Spiel noch recht unbekannt, eine dermaßen große Bekanntheit erwarteten wohl nur die Wenigsten. So spielte er dieses Spiel einfach aus dem Grund, aus dem auch ich selbst Lper geworden bin, ich habe Spaß daran, ein Game zu zocken und dieses zeitgleich zu kommentieren. Immer mehr Zuschauer wurden erreicht. Mit mittlerweile knapp 500 Parts diese Projektes schafft er es immer wieder tausende von Menschen gut zu unterhalten. Was Gronkh ebenfalls gegenüber vielen anderen unterscheidet ist seine Qualität. Nicht nur in Sachen Video, bei denen er mittlerweile teils schon über 1080p anbietet, auch in Richtung Audio und Kommentation. Er ist meiner Meinung nach wohl schon nahezu perfektionistisch, was eine gute Präsentation seines Werkes angeht.
Ein besonderer Moment in einem Gronkh LP ist es für mich immer, ihn lachen zu hören. Während bei Spielern wie in etwa Haze ständig ein herzhaftes Lachen seinen Platz im LP findet, hört man wohl von Gronkh nur in den seltensten Fällen eins. Warum dies so ist, lässt die Zuschauer wohl nur spekulieren. Meiner Meinung nach ist es eben genau dieser Perfektionismus, der dazu führt. Lachen mag zwar eventuell unterhaltend wirken, jedoch nicht kommentativ hochwertig.

Let’s Player und der Ruhm

Doch zurück zu Minecraft. Gronkh hat unter anderem damit begonnen, heute ist es wohl ein Projekt, welches bei jedem zweiten oder dritten Lper zu finden ist. Man sieht dass es bei Leuten mit Erfolg verbunden ist und versucht damit selbst welchen zu verbuchen. Wohl der vollkommen falsche Grund ein Spiel zu spielen. Ich begann mit den Let’s Plays, weil mir die Idee gefiel und ich dachte, dass mir das auch Spaß bringen würden. Ich kann nicht abstreiten, dass man die Projekte nur für sich produziert. Natürlich erstellt man diese ebenfalls für die Zuschauer. Der Spaß ist das Aufnehmen, die Arbeit das Rendern und Hochladen. Wenn man nun andere damit erreichen kann ist dies eine schöne Motivation, diese Projekt fortzuführen, wenn nicht, sollte man wohl keinesfalls aufgeben, irgendwann kommen diese auf jedenfall. Sich Erfolg zu erschummeln, indem man Dinge wie „Sub4Sub“ verwendet finde ich ebenfalls nicht zielbringend. Vielleicht erreicht man in kürzester Zeit mehr Abonnenten, als andere, die einfach nur Videos hochladen, doch was bringen diese, wenn keiner die Videos schaut? Die jenigen, die diese Methode verwenden, erreichen wohl eher das Gegenteil von dem was sie erreichen wollten, sie haben keine wirklichen Zuschauer und machen sich nur unbeliebt.

Lper und das Geld, sowie rechtliche Lage

Eine andere Sache ist das Partnerwerden der Spieler. Mittlerweile ist dies sogar im deutssprachigen Raum möglich, doch warum? Man verwendet im Grunde Material, welches einem selbst nicht gehört, dies ist laut Youtube Partner Bestimmungen somit verboten. In Amerika kann ich die Legalität ja noch verstehen, da fällt die Sache des Lpens in die so genannte „Fair Use“ Politik. Diese erlaubt, soweit ich es verstanden habe, das hochladen kommentierten Materials, jedoch nicht unkommentiertes. Ein Walktrought wäre somit illegal. Bei uns gibt es eine derartige Bestimmung
nicht, somit dürfte man kein Geld damit machen. Youtube ist auf der anderen Seite jedoch ein amerikanisches Unternehmen, gelten also deren Gesetze? Nein, die deutsche GEMA sperrt auch für den deutschen Raum Videos…
Ich will nichts dagegen sagen, dass andere Geld mit ihrer Unterhaltungsform verdienen, ich unterstütze dies eher. Verstehen kann ich es auch nicht, dass andere sich über etwas derartiges aufregen und diese Leute als „geldgeil“ beschimpfen. Was spricht bitte dagegen, mit seinem Hobby etwas zu verdienen und vielleicht sogar zukünftig davon leben zu können? Die Werbung unter unseren Videos? Diese ist wohl keinesfalls wirklich schlimm oder störend, wenn doch empfehle ich den Leuten einen AdBlocker oder die jeweiligen Videos nicht mehr zu schauen.

Fazit

Mittlerweile ist wohl alles nicht mehr so, wie es früher war, auch aus persönlicher Sicht. Während man damals nur ein halbes Dutzend an Let’s Playern schaute, schaut man heute das zehnfache an Spielern. Bis heute erinnere ich mich an das Earthbound LP von Ali. Das Spiel kannte ich zuvor nur durch den Namen, eines Tages beschloss ich mir, dieses Spiel bei ihm anzusehen. Es ist wohl das, welches mich am meisten geprägt hat. Ähnlichen Erfolg kann auch Phunk verbuchen, der es mit seiner eigenen wundervollen Art geschafft hat, mich mehr als 200 Parts in seinem Tales of Phantasia LP zu unterhalten. Es war, abgesehen von Gronks Minecraft, das Längste, welches ich mir bisher angeschaut habe.
Ich persönlich wäre gerne von Beginn an oder noch früher ein Mitglied der Szene gewesen und ich bereue es nicht, mich in einem Jahr hochgerechnet einen Monat durchgehend mit LPs beschäftigt zu haben.

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