Warum OMORI schon jetzt mein Spiel des Jahres ist

Waiting for something to happen?

– Mewo

Drei Uhr Morgens in Deutschland. Normalerweise sollte ich schon lange meine Zeit im Bett verbringen. Warum bin ich also immer noch wach? Heute soll der neue Merch-Drop zu dem Ende 2020 erschienenen Spiel “OMORI” zum Kauf angeboten werden. Rückblickend waren bisher alle Artikel innerhalb von 5 Minuten ausverkauft. So musste ich die Nacht zum Tag machen, um auch ein Stück vom Kuchen zu ergattern.
So hängen heute nahezu 100 verschiedene Polaroid Fotos in meinem kleinen Häuschen verteilt – von einem fiktiven Spiel, versteht sich.

Ein Picnic mit Freunden!

Doch zurück zum Anfang: Woher kommt diese Begeisterung? Warum denke ich, dass auch im Jahr 2021 kein besseres Spiel erscheinen wird, als OMORI?

Zuallererst: OMORI ist definitiv nicht für jeden. Es ist “nur” ein kleines Indie-Spiel, gemacht mit der Engine des RPG-Makers. Die Grafik wird durch einen charmanten Pixelstil getragen, der durch Zeichnungen von “OmoCat” unterstützt wird. Dieser war in der Vergangenheit bereits durch seinen gleichnamigen Onlineshop bekannt. Hier werden bis heute seine Zeichnungen auf T-Shirts gedruckt. Wer hier also ein Grafikfeuerwerk und konstante Action erwartet ist fehl am Platz. OMORI ist ein ruhiges Spiel, mit einem starken Fokus auf die Geschichte.

DU bist ein Kunstwerk.

Content notification: Depression/Einsamkeit

– Bei Problemen mit den genannten Themen, bitte den kommenden Part, welcher die Story behandelt, überspringen. Das Ende dieses Parts ist entsprechend gekennzeichnet.

Schon beim ersten Starten des Spiels merkt man, dass sich alles nicht richtig anfühlt. Man wacht in einem leeren, weißen Raum auf, dem so genannten “White Space”. Der Name ist Programm. Viel zu sehen gibt es nicht, abgesehen von einem Bett, deinem Laptop, einem Notizbuch, einer schwarzen Katze, einer schwarzen Glühbirne und endlosem Weiß. Bewegt man sich im Raum, verläuft man sich und landet irgendwann wieder am Anfang. Im Notizbuch finden sich nur verstörende Zeichnungen. Der Laptop zeigt nur eine Art Tagebuch. “Today I spent my day in white space. It was okay.” Kein Entkommen. Nur eine zwei-dimmensionale Tür, die verdächtig im drei-dimmensionalen Raum steht. Verschlossen. Kein Entkommen. Plötzlich ein Klirren, als wäre irgendetwas auf den Boden gefallen. Doch was soll im “White Space” schon fallen? Ein Messer. Bewaffnet lässt sich nun auch die Tür öffnen.

Deine Freunde stehen immer auf deiner Seite, egal wie hart das Leben auch scheint.

Willkommen im “Neighbors Room”. Deine Freunde haben dich schon sehnsüchtig vermisst und gewartet, dass du es wieder aus dem “White Space” schaffst. Sie wollen zum Spielplatz, “Basil” treffen, einen deiner besten Freunde. Auch deine große Schwester “Mari” vermisst dich sicherlich bereits. Zusammen Spaß haben, die Einsamkeit vergessen. Los geht’s!

Wie erwartet saßen Basil und Mari bereits auf einer Picknickdecke und freuten sich auf Gesellschaft. Basil liebt Fotos. Mit seiner Kamara hält er den Alltag fest. Gestellte Bilder kann er nicht leider, er will Menschen so festhalten, wie sie eben sind. Seine Meisterwerke werden alle in einem Fotoalbum aufbewahrt, damit Erinnerungen an alte Zeiten stets wieder geweckt werden können. Dies ist auch aus spielerischer Sicht deines der ersten interessanten Element. Man erfährt die Hintergrundgeschichten der Charaktere und erlebte Abenteuer, die vor dem eigentlichen Spiel geschahen. “Wollt ihr noch mit zu meinem Haus kommen?”, fragt Basil schließlich, nachdem die Freundesgruppe gemeinsam das Album betrachtet hat. Zeit für ein kleines Abenteuer!

ENDE der content notification

– Fröhliches Weiterlesen!

Emotionen sind wichtig. Auch in Videospielen!

Auch wenn der Hauptfokus von OMORI auf der Story liegt, darf das Gameplay nicht zu kurz kommen. Hier wurde sich ein einzigartiges Kampfsystem überlegt. Die einzelnen Kämpfe laufen zunächst klassisch rundenbasierend ab. Dein Team greift an, die Gegner greifen an. Bewährtes Prinzip.
Um das ganze etwas interessanter und abwechslungsreicher zu gestalten, wird das System durch Emotionen unterstützt. Diese lassen sich mit “Elementen”, wie Feuer, Wasser und Erde, vergleichen, die in anderen rundenbasierten Spielen zum Einsatz kommen. Dieses synergieren in einem “Schere-Stein-Papier” Prinzip, “Glücklich” ist stärker als “Wütend”, “Wütend” ist stärker als “Traurig” und “Traurig” ist stärker als “Glücklich”. Des Weiteren bietet jede Emotion einen Bonus bzw. Malus auf Statuswerte. Wütende Charaktere richten so beispielsweise mehr Schaden an, müssen jedoch auch mehr einstecken. Da Gefühle, im Vergleich zu Elementen, nicht statisch sind, beruht das Kampfsystem darauf, die Teilnehmer des Kampfes emotional zu beeinflussen. Mach’ deinem Gegner ein nettes Kompliment, damit dieser glücklich wird und dein Trauriges Team mehr Schaden anrichten kann. Der Gegner versucht, dich wütend zu machen? Lies einfach ein trauriges Gedicht, damit du weiter in Depressionen schwelgen kannst. Dies führt zu einem konstanten Management der Gefühle und einem einzigartigen Kampfsystem.

Auch das Lesen dieser Review macht klüger!

OMORI ist auf den ersten Blick ein unscheinbares Spiel. Dahinter verbirgt sich jedoch so viel mehr. Von Beginn an wird man von einem merkwürdigen Gefühl überrannt. Irgendwas läuft in dieser Welt nicht richtig, doch das Spiel antwortet nur mit einem “Ist doch alles okay.”. OMORI ist ein konstanter Wechsel zwischen Glück und Trauer – zwischen “Ist doch alles okay.” und “Es ist absolut gar nichts okay.” – eben wie das echte Leben.


Es folgen Story-Spoiler | Content notification: Depression/Einsamkeit/Suizid

– Bei Problemen mit den genannten Themen, bitte den kommenden Part, welcher weiter die Story behandelt, überspringen. Das Ende dieses Parts ist entsprechend gekennzeichnet.

Nachdem die ersten Gegner und der erste Boss den Kampf gegen die Heldentruppe, bestehend aus OMORI, HERO, KEL & AUBREY verloren haben, kommen die Freunde bei Basils Haus an. Schon hier werden passiv Hinweise auf die Hintergrundgeschichte gestreut. Warum kämpfen Basil und Mari nicht? Mari befindet sich nicht einmal in der Nähe der Kämpfe. Aus spielerischer Sicht, dient sie als “Pokemon Center”. Bei ihr kann man sein Team heilen und das Spiel speichern. So taucht sie mit einem Picknick immer wieder in allen Orten des Spiels auf. Auch Basil hilft nicht bei der Bekämpfung von Gegnern. Wahrscheinlich ist er einfach zu friedliebend? Im Haus werfen die Freunde einen erneuten Blick auf das Fotoalbum. Ein Bild scheint zu fehlen. Doch beim Anblick dieses Bildes verfällt Basil in einen Schockzustand.

Welcome to White Space!

– OMORI
OMORI – Ein Spiel mit zwei Welten

Der Tag endet abrupt. Der Hauptcharakter wacht wieder im “White Space” auf. Keine Tür mehr, keine Freunde. Der einzige Ausweg: Ein Messer in der Brust.
Dass es sich bei der gezeigten Welt um Fiktion handelt ist dem Spieler schnell klar. Denn diese Welt ist genau dies: Ein Traum von “Sunny”. Willkommen im realen Leben. Sunny hat seit Jahren das Haus nicht mehr verlassen und hatte auch keinen Kontakt mit anderen Menschen, abgesehen von seiner Mutter. Sunny hat panische Angst vor Höhen, Spinnen oder dem Ertrinken. Sunny ist depressiv und einsam. Ein Umzug steht an, in nur drei Tagen soll er sein aktuelles Wohnhaus verlassen und in eine neue Stadt ziehen. Alles wie immer. *klopf klopf* Es ist ungewöhnlich, dass jemand an der Tür von Sunnys Haus klopft. “Ich bin es! Kel! Erinnerst du dich noch an mich?”, ruft es durch die Tür. Natürlich erinnerte er sich noch an ihn. Kel war schließlich auch ein Teil seiner Traumwelt.
Nun stehen dem Spieler zwei Möglichkeiten offen: Bricht dieser mit Sunnys Einsamkeit und antwortet Kel oder zieht man sich weiter zurück.
Kann Sunny wieder Anschluss zu seinen ehemaligen Freunden finden? Was hat die Gruppe zerstört? Warum flüchtet er sich in eine Traumwelt? … Wo ist Sunnys Schwester Mari?

ENDE des Story-Spoilers und der Content-notification

– Fröhliches Weiterlesen!

OMORI ist eines der Spiele, die Gefühle real vermitteln können und Einzelschicksale glaubhaft behandeln. Hierbei wird jedoch die kindliche Fantasie und Freude niemals außer Acht gelassen. Es wird nicht nur mit den Emotionen der Charaktere gespielt, sondern auch mit den Emotionen des jeweiligen Spielers. Man jagt stets danach, endlich zu erfahren, was sich wirklich hinter der Geschichte steckt – um dann von sorglosen, surrealen Welten geerdet zu werden. OMORI macht glücklich, OMORI macht traurig, OMORI ist kreativ und humorvoll. Kurz gesagt: OMORI ist meiner Meinung nach eines der besten Spiele, die in letzter Zeit erschienen sind und es wird schwer, OMORI zu übertreffen.

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